Positive und Negative Auswirkungen von Computerspielen auf das menschliche Gehirn Teil 2
Natürlich dürfen auch Online Rollenspiele in der Auflistung nicht fehlen. Allen vorne weg: World of Warcraft. Mehr als zehn Millionen Menschen tummeln sich in einer Welt voller Zwergen, Gnomen und Elfen. Vor allem Personalchefs achten auf solche Aktivitäten in Online Rollenspielen. Der Grund dahinter? In diesen Rollenspielen können künftige Führungskräfte Verantwortungsbewusstsein, Teamarbeit und Problemlösungsstrategien entwickeln.
Eines der beliebtesten Spiele der letzten Jahre ist Guitar Hero. Im Hintergrund läuft ein bekannter Song und der Spieler muss im richtigen Moment auf seinem Gitarren Kontroller die richtigen Tasten (Noten) drücken. Der Schwierigkeitsgrad steigt von Level zu Level. Profis kommen dabei auf sage und schreibe 26(!) Anschläge pro Sekunde!
Kürzlich erschien mit „Black Ops 2“ der neunte Teil des Ego Shooter Games Call of Duty. Bislang wurde das Spiel mehr als 60 Millionen Mal verkauft. Das Spiel fördert u.a. die Reaktionsgeschwindigkeit der Spieler. Allerdings stehen Spiele aus dieser Kategorie auch unter dem Verdacht aggressives Verhalten auszulösen. Experten empfehlen daher nicht länger als 90 Minuten am Stück zu spielen.
In “Civilization” begann dieses Strategiespiel bereits vor über 20 Jahren Teenager dazu zu bewegen, sich mit Problemen wie Hungersnot, Wasserknappheit oder Pandemien auseinanderzusetzen. Der Spieler trägt die Verantwortung für sein Volk. Studien belegen, dass dieses Verantwortungsbewusstsein auch auf die reale Welt übertragbar ist. Zudem fördert dieses Spiel die Kreativität der Nutzer, da ganz Städte auf- und ausgebaut werden.
Begriffe wie „Goal!“ oder „He hits the post“ sind Begriffe die bei dem EA Sports Game NHL öfters fallen. Wer Spiele in Originalsprache laufen lässt, lernt die Sprache besser. Durch die Wiederholungen stellt sich relativ schnell ein Lerneffekt ein.
Aber es geht noch weiter. Daphne Bavelier, Alexandre Pouget und C. Shawn Green haben eine Studie auf die Beine gestellt. Getestet wurden Probanden zwischen 18 und 25 Jahren in Bezug auf ihre Entscheidungsfreude. Dabei wurden die Personen in zwei Gruppen aufgeteilt. Während die einen 50 Stunden mit Ego Shootern wie Call of Duty oder Unreal Tournament verbringen durften, spielte die andere Gruppe „The Sims 2“. Alle Studienteilnehmer mussten später an visuellen und akustischen Reaktionstest teilnehmen. Die Ego Shooter Gruppe war bis zu 25 % schneller im Lösen der Aufgaben. Einen Unterschied in der Fehlerquote konnte nicht gemessen werden. „Durch die Action Spiele lernt das Gehirn, visuelle und akustische Reize schneller aufzunehmen und effektiver zu verarbeiten. Es muss ständig aufmerksam sein. Action Spieler sind durch Spiele sehr viel präziser und somit schneller. Sie treffen mehr richtige Entscheidungen in einer kürzeren Zeitspanne“, so Daphne Bavelier.
Doch das ist nicht alles. Computerspiele lassen auch das Gehirn (nach) wachsen. Wissenschaftler der Berliner Charité haben festgestellt, dass bei jugendlichen Gamern das ventrale Striatum, also das Belohnungszentrum im Gehirn, deutlich größer ist als bei nicht Zockern. Die Hirnrinde, welche für strategisches Planen, Aufmerksamkeit und das Arbeitsgedächtnis zuständig ist, ist bei Zockern im Schnitt mit 3,5 Millimeter 40% größer als bei den nicht zockenden Jugendlichen. Beispiel ist Super Mario. Durch das Finden und Sammeln von Sternen, stellt sich beim Spieler ein Glücksgefühl ein. “Die Veränderung der Größe in Folge von Training ist ein Hinweis darauf, dass tatsächlich eine Leistungsverbesserung erfolgt“, sagt Professor Jürgen Gallinat. Warum die Erkenntnisse so wichtig sind, zeigt sich wenn man das Krankheitsbild von Demenz oder Alzheimer Erkrankten genauer beleuchtet. Hier liegt nämlich eine Schrumpfung der Hirnrinde zu Grunde. Professor Gallinat formuliert es genauer: „Wenn man durch solche Spiele solche Verluste ausgleichen oder kompensieren kann, wäre das eine hervorragende, nebenwirkungsarme Therapieform.“
Dennoch hat auch das Gamen eine Schattenseite. Wer täglich mehr als 90 Minuten spielt, ist zumindest suchtgefährdet. Allerdings gehen mit einer Abhängigkeit auch Faktoren einher wie bspw. soziale Misserfolge. Das ging aus einer Studie der Hamburger Hans-Bredow Instituts und der Fachhochschule Köln hervor. Gehirnscans zeigen, dass bei Spielsüchtigen dieselben Hirnareale aktiviert sind wie bei Drogenabhängigen.
Zum Schluss möchte ich eine alt bekannte These aufgreifen. „Männer können besser einparken als Frauen“. Das ist nicht nur ein Macho Denken vieler Männer, sondern wissenschaftlich belegt. Wenn es darum geht, räumlich zu sehen, haben Frauen gegenüber Männern biologisch einen Nachteil. Der Schläfenlappen der Männer ist um ca. 10 % größer als der von Frauen. Dieser Unterschied verschwindet allerdings, man glaubt es kaum, wenn Frauen vermehrt Action Spiele spielen. Dies hat eine Studie der Universität von Toronto ergeben…
Quelle: Welt der Wunder 11/12 S. 62-67